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CHINESISCH – IST DOCH GANZ KLAR! ODER DOCH NICHT SO GANZ?

(JaT)

Bei Übersetzungen ins Chinesische sind Ihnen vielleicht Begriffe wie Hochchinesisch, Mandarin, Traditional oder Simplified begegnet. Aber was genau versteht man darunter? Wir haben in der Ge|Tra|Net| sowohl chinesische als auch deutsche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die Chinesisch sprechen, und können es Ihnen genau erklären.

Eigentlich spricht man von den chinesischen Sprachen in der Mehrzahl, denn es gibt einige davon, die in China gesprochen werden. Diese wiederum in zahlreichen Dialekten, die zwar alle zur sinotibetischen Sprachfamilie gehören, aber deren Sprecher sich teilweise gegenseitig nicht besser verstehen als z.B. Deutsche und Franzosen. Dazu gibt es noch die Minderheitensprachen, von denen 55 offiziell anerkannt sind. Manche von ihnen gehören sogar zu anderen Sprachfamilien, wie z.B. Uighurisch, Tadschikisch oder Russisch.

Was wir allgemein als die chinesische Sprache bezeichnen, ist Hochchinesisch, welches auf dem Dialekt der Gegend um Peking beruht und auch als Mandarin bekannt ist. Die größten chinesischen Fernsehsender strahlen ihre Sendungen auf Hochchinesisch aus, so dass diese Sprachvariante im ganzen Land verstanden wird. Übersetzungen für die VR China sollten also ins Hochchinesische/Mandarin erfolgen. Das ist im Prinzip wie Hochdeutsch, das in ganz Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz verstanden wird – wenn auch nicht jeder es spricht.

Auf Chinesisch heißt die Sprache übrigens Hanyu, die „Sprache der Han“ (die Eigenbezeichnung der chinesischen Ethnie) oder Zhongwen, die „Sprache/Schrift der Mitte“, denn China ist auf Chinesisch Zhongguo – das „Reich der Mitte“. Daher stammt auch das DIN-Sprachkürzel für Chinesisch, nach DIN 639-1 ist es ZH.

Die Bezeichnungen Traditional und Simplified beziehen sich nicht auf die gesprochene Sprache, sondern auf die Schrift. Das ist etwa wie Frakturschrift und Antiqua in Deutschland. Während seit 1945 in der Volksrepublik China im mehreren Schritten die kompliziertesten chinesischen Zeichen vereinfacht wurden, werden in der Republik China auf Taiwan die traditionellen Zeichen, auf Deutsch auch Langzeichen genannt, verwendet. Sie sehen zwar oft schöner aus, brauchen aber auch mehr Zeit und Tinte als die Kurzzeichen. „Telefonnummer“ ist zum Beispiel in der simplified-Version 电话号吗 viel schneller zu Papier gebracht als das traditionelle 電話號碼. Auf dem Computer geht aber beides gleich schnell. Und obwohl man in Taiwan anders schreibt – gesprochen wird auch hier hauptsächlich Hochchinesisch.

Etwas anders ist die Situation in Hongkong. Vor der Rückgabe an China wurden hier traditionelle Schriftzeichen verwendet, inzwischen sind es aber offiziell die vereinfachten Schriftzeichen. Auch wenn hier Hochchinesisch inzwischen ganz gut verstanden wird, sprechen die meisten Einwohner Kantonesisch. Kantonesisch wird außerdem in großen Teilen Südchinas (vor allem in Guangzhou, auch als „Kanton“ bekannt) und von vielen Chinesen im Ausland gesprochen. Das gesprochene Kantonesisch und das gesprochene Hochchinesisch sind nicht so einfach gegenseitig verständlich. Beide Sprachen – Hochchinesisch und Kantonesisch – sind neben Englisch Amtssprachen Hongkongs.

Da auch die Grammatik und der Satzbau voneinander abweichen, sieht ein kantonesischer Text etwas anders aus als ein hochchinesischer Text. So ist er für Sprecher von Mandarin zwar nicht 100%ig verständlich, aber im Großen und Ganzen schon, da die Schriftzeichen eher eine Bilderschrift als eine phonetische Schrift sind. Wenn es also mündlich Verständnisschwierigkeiten gibt, können diese mithilfe der Schriftzeichen schnell ausgeräumt werden – was übrigens für ganz China gilt. Für schriftliche Texte ist also Hochchinesisch in Ordnung, mündlich kann man mit einem Dolmetscher punkten, der auch Kantonesisch spricht.

Singapur hat sogar vier Amtssprachen: Englisch, Malaiisch, Chinesisch und Tamil. Und obwohl es in Singapur auch viele Kantonesisch-Sprechende gibt, ist das offizielle Chinesisch hier Mandarin und wird mit vereinfachten Schriftzeichen geschrieben.