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SORBISCH? SIE MEINEN DOCH SERBISCH, ODER?

(JaT)

Zugegeben, Anfragen für sorbische Übersetzungen sind extrem selten, aber erst kürzlich hatten wir eine. Und wenn Sie jetzt denken: „Sorbisch? Sie meinen doch Serbisch, oder?“, dann ist dieser Artikel für Sie sicher besonders interessant.

Während Serbisch eine südslawische Sprache ist, die hauptsächlich in Serbien, Montenegro, Bosnien und Herzegowina gesprochen wird, ist Sorbisch eine westslawische Sprache, eher mit Polnisch, Tschechisch und Slowakisch verwandt, und in Deutschland zu Hause. Als Sprache einer der autochthonen Minderheiten ist sie sogar offizielle Amtssprache, zumindest in den sorbischen Siedlungsgebieten in Sachsen und Brandenburg.

Die Sorben sind die Nachkommen der letzten zwei von einst über zwanzig westslawischen Stämmen, die östlich der Elbe siedelten. Sie wurden von den Deutschen auch als Wenden bezeichnet und manche Niedersorben bevorzugen diese Bezeichnung heute noch. Die Namen „Wendland“ für eine Landschaft nordöstlich von Hannover oder „Wentorf“ für eine Gemeinde bei Hamburg stammen z.B. auch daher, wenngleich in dieser Gegend die slawischen Sprachen mit der letzten Sprecherin im Jahre 1756 ausgestorben sind.

Übrig sind viele slawische Ortsnamen östlich der Elbe; oft erkennbar an den Endungen -ow, -au oder -itz. Nicht ganz so offensichtlich sind z.B. Rostock – das bedeutet „Auseinanderfließen“ und bezieht sich auf die Mündung der Warnow; oder Leizig – es heißt auf Sorbisch Lipsk, was vom Wort „lipa“ für „Linde“ abgeleitet ist. Lübeck hieß ursprünglich Liubice (der Ort des Liubomir oder der Liubica, beides slawische Personennamen, die auf „liub- = lieb, lieblich“ zurückgehen) und Chemnitz und Kamenz kommen von „kamjeń“ – „Stein“. Auch einige slawische Wörter haben über das Sorbische Eingang in die deutsche Sprache gefunden. Quark zum Beispiel ist ein slawisches Lehnwort und kommt von twarog (niedersorbisch) bzw. twaroh (obersorbisch).

Die sorbischen Sprachen sind in Teilen von Sachsen und Brandenburg noch lebendig. Obwohl Niedersorbisch/Wendisch in Brandenburg (in der Niederlausitz) akut vom Aussterben bedroht ist und nur noch von einer Handvoll Familien im Alltag verwendet wird. Obersorbisch in Sachsen (in der Oberlausitz) hingegen wird noch in vielen Familien aktiv gesprochen und an die jüngeren Generationen weitergegeben.

Es gibt sorbische Kindergärten, Schulen und zwei Gymnasien (in Bautzen und in Cottbus), an denen die sorbische Sprache nicht nur ein Unterrichtsfach ist, sondern an denen auch andere Unterrichtsfächer auf Sorbisch unterrichtet werden. Sorbische Radiosendungen (vom RBB auf Niedersorbisch und vom MDR auf obersorbisch) und die beiden sorbischen Fernsehsendungen Łužyca (Lausitz) und Wuhladko (Ausguck, Dachfensterchen) kann man übers Internet in ganz Deutschland empfangen, worüber sich unsere sorbische Kollegin in Freiburg besonders freut. Auch auf YouTube gibt es sorbische Musik – von Blasmusik bis Rap; auf Facebook gibt es sorbische Gruppen und von Firefox sind auch Versionen auf Obersorbisch und Niedersorbisch verfügbar.

Übersetzungsbedarf gibt es für amtliche Schreiben und Beschilderungen, die gesetzlich vorgeschrieben im sorbischen Siedlungsgebiet neben Deutsch auch auf Sorbisch verfasst sein müssen, aber auch für Namen von Geschäften, Restaurants, Museen, für Öffnungszeiten, Speisekarten und Werbung – denn auch, wenn die sorbischen Kunden alle perfekt Deutsch können, sind sie natürlich umso glücklicher, wenn sie auch auf Sorbisch angesprochen werden.